Arthrose im Knie und die Behandlung mit Hyaluronsäure
Bei einer Kniearthrose verschleißt der Knorpel, der die Gelenkflächen überzieht. Die Gleitfähigkeit nimmt ab, das Gelenk schmerzt — anfangs bei Belastung, später auch in Ruhe. Zugleich verändert sich die Gelenkflüssigkeit: Sie verliert an Zähflüssigkeit und damit an Schmier- und Pufferwirkung.
Genau dort setzt die Behandlung mit Hyaluronsäure an. Sie wird direkt in das Gelenk gespritzt und soll die Gleitfähigkeit verbessern. Sie stellt keinen Knorpel wieder her.
Welche Behandlungen es gibt
Hyaluronsäure ist eine Möglichkeit unter mehreren, und selten die erste. Ein Überblick über das übliche Vorgehen:
- Bewegung und Krafttraining. Gut untersucht und in den Leitlinien an erster Stelle. Ein kräftiger Oberschenkelmuskel entlastet das Gelenk.
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht — jedes Kilo weniger wirkt im Kniegelenk vervielfacht.
- Physiotherapie, Einlagen, Bandagen zur Entlastung und Verbesserung der Gelenkführung.
- Schmerzmittel, meist entzündungshemmende Wirkstoffe, zeitlich begrenzt.
- Injektionen ins Gelenk — Kortison bei akuter Entzündung, Hyaluronsäure zur Verbesserung der Gleitfähigkeit.
- Operation, bis hin zum Gelenkersatz, wenn die Beschwerden anders nicht beherrschbar sind.
Welche Schritte für Sie in Frage kommen, hängt vom Stadium, von Begleiterkrankungen und von Ihrem Alltag ab. Das lässt sich nur im ärztlichen Gespräch klären.
Warum manche Stellen Hyaluronsäure kritisch bewerten
Wer nach Hyaluronsäure und Knie sucht, stößt schnell auf kritische Bewertungen. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet Hyaluronsäure-Injektionen bei Knie- und Hüftgelenksarthrose mit „negativ". Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen äußert sich zurückhaltend.
Das sollten Sie wissen, bevor Sie sich entscheiden — und Sie sollten es von uns erfahren und nicht erst danach. Die Einschätzungen stützen sich darauf, dass der Nutzen in Studien uneinheitlich ausfällt und der Unterschied zu einer Scheinbehandlung oft gering ist.
Ein Gericht hat Teile dieser Bewertung untersagt
Das Sozialgericht München hat am 14. August 2026 im Eilverfahren entschieden (Aktenzeichen S 59 KR 167/26 ER): Dem Medizinischen Dienst Bund wurde untersagt, bestimmte Aussagen gegen intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen bei Knie- und Hüftgelenksarthrose weiter zu verbreiten, und es wurde angeordnet, sie von der Website zu entfernen. Geklagt hatte die Herstellerin eines anderen Hyaluronsäure-Präparats.
Das Gericht sah für eine öffentliche Negativbewertung privat zu zahlender Behandlungen keine ausreichende gesetzliche Grundlage und beanstandete inhaltlich unter anderem, dass fehlender Wirksamkeitsnachweis mit erwiesener Unwirksamkeit gleichgesetzt worden sei. Ein deutlich erhöhtes Risiko schwerer Nebenwirkungen sah es durch die Studien nicht belegt.
Was das nicht heißt. Der Beschluss erging im Eilverfahren und ist keine endgültige Entscheidung. Der Antrag war nicht in allen Punkten erfolgreich, und der IGeL-Monitor als Ganzes ist davon nicht betroffen. Vor allem aber: Dass eine Stelle etwas nicht behaupten darf, belegt nicht das Gegenteil. Der Beschluss sagt nichts darüber aus, ob Hyaluronsäure-Injektionen wirken. Er betrifft die Befugnis und die Formulierung, nicht die Wirksamkeit.
[BELEG FEHLT] Noch zu ergänzen: welche Präparate die maßgeblichen Metaanalysen untersucht haben (überwiegend niedermolekulare Mehrfachgaben), und wie die Leitlinien der Fachgesellschaften die Viskosupplementation einordnen. Mit Quellen zu recherchieren.
Offen gesagt: Für Crespine Gel liegen drei veröffentlichte Studien vor, aber keine davon hatte eine Kontrollgruppe. Sie zeigen, dass es den Behandelten nach der Injektion besser ging und das über zwölf Monate anhielt. Sie können nicht zeigen, wie viel davon auf das Präparat entfällt. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, überinterpretiert die Datenlage.
Zwei der drei Studien wurden von der Herstellerin beziehungsweise einem Vertriebspartner mitfinanziert; das ist in den Veröffentlichungen angegeben. Die dritte, an einer Universitätsklinik in Karachi durchgeführt, gibt keine Förderung an — sie hat dafür nur 25 Teilnehmende.
Was Crespine Gel ist
Crespine Gel ist ein Gelimplantat aus vernetzter Hyaluronsäure, das in Deutschland hergestellt wird. Es unterscheidet sich von vielen anderen Präparaten dadurch, dass eine einzelne Injektion von zwei Millilitern je Behandlungszyklus vorgesehen ist — statt einer Serie von drei bis fünf Terminen im Wochenabstand.
In der Kohortenstudie von Suppan und Kollegen (2026) mit 111 Patientinnen und Patienten war die Verbesserung von Schmerz und Beweglichkeit nach drei Monaten messbar und blieb bis Monat zwölf bestehen. Die Einschränkungen dieser Studie stehen im Abschnitt darüber.
Crespine Gel wird nicht an Privatpersonen abgegeben. Die Injektion erfolgt durch eine Ärztin oder einen Arzt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis Hyaluronsäure im Knie wirkt?
In der Studie von Suppan und Kollegen war die Verbesserung von Schmerz und Beweglichkeit bei der ersten Nachuntersuchung nach drei Monaten messbar. Wann eine einzelne Person eine Veränderung bemerkt, lässt sich daraus nicht ableiten und ist individuell verschieden.
Wie lange hält die Wirkung an?
In derselben Kohortenstudie blieben die nach drei Monaten gemessenen Verbesserungen bis zum Ende der Beobachtung nach zwölf Monaten weitgehend unverändert. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe, kann also nicht belegen, wie viel davon auf das Präparat zurückgeht.
Wie oft muss die Injektion wiederholt werden?
Crespine Gel ist für eine einzelne Injektion je Behandlungszyklus vorgesehen. Viele andere Hyaluronsäure-Präparate werden in einer Serie von drei bis fünf Injektionen im Wochenabstand gegeben. Ob und wann eine Wiederholung sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Was kostet eine Hyaluronsäure-Spritze ins Knie?
Die Behandlung ist in Deutschland in der Regel eine individuelle Gesundheitsleistung, die gesetzlich Versicherte selbst tragen. Die Höhe hängt von Praxis, Präparat und Anzahl der Injektionen ab — fragen Sie in Ihrer Praxis nach einem schriftlichen Kostenvoranschlag, bevor Sie zustimmen. Private Versicherungen und Beihilfestellen entscheiden im Einzelfall.
Wer darf Hyaluronsäure ins Knie spritzen?
Die Injektion in ein Gelenk ist ein ärztlicher Eingriff. Sie wird üblicherweise von Fachärztinnen und Fachärzten für Orthopädie und Unfallchirurgie durchgeführt, teils unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Die Gebrauchsanweisung nennt Hautrötung, leichte Schwellung, Schmerzen und Hitzegefühl, die im Regelfall innerhalb von zwei bis fünf Tagen abklingen. Eine Überempfindlichkeit gegen Hyaluronsäure betrifft weniger als ein Prozent der Fälle. In den Studien fielen die Zahlen unterschiedlich aus: Bei Suppan und Kollegen berichteten 1,8 Prozent Schmerzen innerhalb von 24 Stunden. Bei Bashaireh und Kollegen hatten 33 von 84 Ausgewerteten — 39 Prozent — 72 Stunden nach der Injektion verstärkte Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit des Knies; die meisten wurden mit Schmerzmitteln behandelt. Alle Beschwerden waren vorübergehend, schwere Komplikationen traten in keiner der Studien auf. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt klärt Sie vor der Behandlung auf.
Ersetzt die Injektion eine Operation?
Nein. Hyaluronsäure-Injektionen zielen auf Beschwerden, nicht auf die Wiederherstellung des Gelenks. Ob eine Operation nötig oder sinnvoll ist, ist eine eigene ärztliche Entscheidung.
Wie es weitergeht
Ob eine Behandlung mit Hyaluronsäure für Sie sinnvoll ist, klärt eine orthopädische Untersuchung. Diese Seite ersetzt kein ärztliches Gespräch und keine Diagnose.
Für Ärztinnen und Ärzte: Fachkreisbereich mit Produktdaten und Studienlage.