Studienlage zu Crespine Gel
Diese Seite richtet sich an Ärztinnen, Ärzte und medizinisches Fachpersonal.
Drei begutachtete Veröffentlichungen liegen vor. Keine davon hatte eine Kontroll- oder Placebogruppe. Sie zeigen Verläufe gegenüber dem Ausgangswert — wie viel davon auf das Präparat entfällt und wie viel auf Placeboeffekt, natürlichen Verlauf oder Begleitbehandlung, lässt sich daraus nicht bestimmen.
Jede Studie steht unten mit Förderung und Grenzen. Das ist kein Zugeständnis, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Angaben nachprüfbar sind.
Übersicht
| Studie | Kollektiv | Dauer | Variante | Förderung |
|---|---|---|---|---|
| Suppan 2026 | 111 / 92 nach 12 Mon. | 12 Mon. | Gel+ | Vertriebspartner |
| Shahid 2025 | 25 Personen, 39 Knie | 12 Mon. | Gel+ | keine |
| Bashaireh 2015 | 109 / 84 ausgewertet | 9 Mon. | Gel | Herstellerin |
Zwei der drei Studien untersuchten Crespine Gel+, eine die Basisvariante. Ein Zusatznutzen des Prilocains wurde in keiner Studie gesondert geprüft.
Die Studien im Einzelnen
Suppan VKL, Tew MM, Muthusamy H, et al. (2026)
Long-term functional and clinical outcomes of intraarticular double-cross-linked high molecular weight hyaluronic acid (Crespine Gel Plus) injection in knee osteoarthritis. BMC Musculoskeletal Disorders 27:209 · DOI 10.1186/s12891-026-09588-1 · PMID 41664047
Design. Prospektive einarmige Kohortenstudie, monozentrisch, offen. 111 eingeschlossen, 107 nach 3 Monaten, 92 nach 12 Monaten. Beobachtung 12 Monate.
Ergebnis. KOOS4 von 62,2 auf 71,0 nach 12 Monaten (+8,78; p < 0,001); VAS Schmerz von 4,80 auf 3,17 (−1,64; p < 0,001). Verbesserung nach 3 Monaten eingetreten und bis Monat 12 stabil.
Verträglichkeit. 2 der 111 Teilnehmenden (1,8 %) berichteten vorübergehende Schmerzen im Knie innerhalb von 24 Stunden, die sich binnen 48 Stunden ohne Behandlung zurückbildeten. Septische Arthritiden, Überempfindlichkeitsreaktionen oder systemische Komplikationen traten nicht auf.
Grenzen. Ohne Kontroll- oder Placebogruppe; die Autoren halten fest, dass das Design kausale Schlüsse ausschließt. 19 der 111 Eingeschlossenen fehlten bei der Zwölfmonatsmessung. Begleitbehandlungen wurden nicht getrennt erfasst. Untersucht wurde Crespine Gel+; ein Zusatznutzen des Prilocains wurde nicht gesondert geprüft.
Förderung. Teilweise finanziell unterstützt durch Nexgen Medical Sdn. Bhd., Malaysia. Die Autoren geben keine konkurrierenden Interessen an.
Shahid H, Umer M, Zahid M. (2025)
Improvement in Knee Society Score after Twelve Months of Intra-articular Viscosupplementation. Annals ASH & KMDC 29(1):17–24
Design. Prospektive Kohortenstudie, Aga Khan University Hospital Karachi, Kellgren-Lawrence I–II. 25 Personen, 39 Knie. Beobachtung 12 Monate.
Ergebnis. Knee Society Score von 72,28 ± 11,18 auf 81,28 ± 9,76; Knee Society Function Score von 66,79 ± 15,23 auf 76,54 ± 15,39 (jeweils p = 0,001).
Grenzen. Kohortenstudie ohne Kontrollgruppe. Die geplante Fallzahl von 36 wurde mit 25 ausgewerteten Personen nicht erreicht. Die 39 Knie stammen von 25 Personen — zwei Knie derselben Person sind statistisch keine unabhängigen Beobachtungen. Kollektiv auf leichte bis mittelschwere Gonarthrose begrenzt (Kellgren-Lawrence I–II), nur Ausgangs- und Jahresmessung.
Förderung. „Source of Funding: None", „Conflict Of Interest: None". Die einzige der drei Studien ohne Förderung durch Hersteller oder Vertrieb.
Bashaireh K, et al. (2015)
Efficacy and safety of cross-linked hyaluronic acid single injection on osteoarthritis of the knee: a post-marketing Phase IV study. Drug Design, Development and Therapy 9:2063–2072 · DOI 10.2147/DDDT.S81524
Design. Phase-IV-Studie nach Markteinführung. 109 eingeschlossen, 84 in der Hauptauswertung. Beobachtung 9 Monate.
Ergebnis. 63 von 84 Teilnehmenden (75 %) erfüllten das OARSI-Kriterium für 70-%-Responder.
Verträglichkeit. 33 der 84 Ausgewerteten (39 %) hatten 72 Stunden nach der Injektion verstärkte Schmerzen — 17 Schmerzen allein, 7 mit Rötung, 5 mit Schwellung, 4 mit Schmerzen, Schwellung und Rötung. Alle 33 hatten zu diesem Zeitpunkt eine eingeschränkte Beweglichkeit des Kniegelenks. Die meisten wurden mit Schmerzmitteln behandelt. Alle Ereignisse waren lokal und vorübergehend; schwere Ereignisse traten nicht auf.
Grenzen. Ohne Kontrollgruppe; Beobachtungszeitraum 9 Monate; von der Herstellerin finanziert. Untersucht wurde die Basisvariante, nicht Crespine Gel+.
Förderung. Von der BioPolymer GmbH & Co. KG finanziert. Protokoll, Datenhaltung, Statistik und Erstbericht durch das Auftragsforschungsinstitut Clinical Quest. Die Autoren geben keine Interessenkonflikte an; der korrespondierende Autor erklärt zusätzlich eine Geschäftsbeziehung zur finanzierenden Organisation.
Eine weitere retrospektive Auswertung aus Spanien (190 Personen, 232 Knie, 2013–2019) ist nicht veröffentlicht und daher nicht zitierfähig. Sie wird hier nicht als Beleg geführt.
Einordnung gegenüber der kritischen Bewertung
Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet Hyaluronsäure-Injektionen bei Knie- und Hüftgelenksarthrose mit „negativ". Das betrifft die Produktklasse, nicht ein einzelnes Präparat.
Das Sozialgericht München hat am 14. August 2026 im Eilverfahren (S 59 KR 167/26 ER) dem Medizinischen Dienst Bund untersagt, bestimmte dieser Aussagen weiter zu verbreiten, und deren Entfernung von der Website angeordnet. Geklagt hatte die Herstellerin eines anderen Hyaluronsäure-Präparats. Das Gericht sah für eine öffentliche Negativbewertung privat zu zahlender Behandlungen keine ausreichende gesetzliche Grundlage und beanstandete unter anderem die Gleichsetzung von fehlendem Wirksamkeitsnachweis mit erwiesener Unwirksamkeit.
Was daraus nicht folgt. Der Beschluss erging im Eilverfahren, war nicht in allen Punkten erfolgreich und betrifft nicht den IGeL-Monitor als Ganzes. Er trifft keine Aussage zur Wirksamkeit von Hyaluronsäure-Injektionen. Für die Bewertung der Datenlage zu Crespine Gel bleibt maßgeblich, was oben steht: drei Verlaufsstudien ohne Kontrollgruppe.
[BELEG FEHLT] Noch zu ergänzen: welche Präparate die maßgeblichen Metaanalysen untersucht haben, und wie die einschlägigen Fachgesellschaften die Viskosupplementation in ihren Leitlinien einordnen. Mit Quellen zu belegen.
Fachliche Prüfung: ausstehend. Diese Seite trägt
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